Projekt im Rahmen des Programms zur Förderung von Forschung, Innovationen und Technologien

– ProFIT Investitionsbank Berlin –

Die heutigen Märkte sind gekennzeichnet durch kurze Produktlebenszyklen und eine schnelle Technologieentwicklung. Die steigende Konnektivität sorgt dafür, dass Produkte oft technisch voneinander unabdingbar zusammen funktionieren müssen. Grundlegend für die Kommunikation zwischen gesteuerten Systemen sind Technologiestandards. Standards spezifizieren eine gemeinsame Sprache, damit unterschiedliche Technologien bzw. Technologiekomponenten miteinander kommunizieren und interagieren können. Standardisierte Technologien der 5. Generation der Telekommunikationstechnologie werden einen wichtigen Beitrag zum vernetzten Fahren, Industrie 4.0 oder Smart Cities beisteuern. In dieser Hinsicht werden Patente die diese Standards betreffen zunehmend in neue Systeme integriert, die die Kommunikation unterschiedlicher Technologien ermöglicht. Patente sollen Anreize zur Investition in Forschung und Entwicklung geben. Standards dienen als gemeinsame Plattform, damit technologische Innovationen zusammen funktionieren können. Patentierung wie auch Standardisierung fördern somit gemeinsam, aber auf Basis verschiedener Wirkungsweisen, Innovationen. Das Zusammenspiel von Patenten und Standards kann aber auch zu Problemen führen. Ziel der Standardisierung ist die Verbreitung und der Zugang zu Technologien. Dabei sollen standardisierte Technologien weltweit adaptiert werden, damit innovative Lösungen miteinander funktionieren bzw. kommunizieren können. Patente hingegen gewähren dem Schutzrechthalter ein temporäres Monopol für eine Technologie, um Dritte von der Nutzung auszuschließen. Für einen Automobilhersteller ist es beispielsweise wichtig zu verstehen welchen 5G Standard er integrieren muss um die Konnektivität für ein autonom fahrendes Auto zu integrieren und welche Patente von Drittanbietern diesen Standard belegen. Mit dem schnelleren Technologiewandel einher geht auch eine schnellere Veränderung von Wettbewerbsumfelder. Beispielsweise hat die Elektrifizierung die Wettbewerbslandschaft in der Automobilbranche stark verändert. Hinzu kommt die Integration neuer Konnektivität Standards wie 5G, WiFi, Bluetooth, NFC oder RFID. Während Daimler heute z.B. mit Unternehmen wie Volkswagen, Audi oder BMW konkurriert, könnten schon morgen Firmen wie Apple oder Google neue Wettbewerber sein. Und in der Tat zeigt ein aktuelles Analyseergebnis von IPlytics, dass Google bereits heute Marktführer im Bereich „autonomous driving“ (deutsch: „unbemanntes Fahren“) ist und die meisten Patente auf entsprechende Technologien hält. Firmen aus den unterschiedlichsten Branchen sind täglich vor die Herausforderung gestellt, aufkommende Technologien korrekt zu erfassen, zu überwachen, quantitativ und qualitativ zu bewerten und strategische, taktische und operative Entscheidungen zu treffen. Sie sind mit Fragen konfrontiert, in welche Technologien und Märkte sie in welcher Form investieren sollen, wie viel sie hierfür budgetieren müssen und wann der richtige Zeitpunkt hierfür ist. Um der Komplexität heutiger Wettbewerbslandschaften gerecht zu werden und sich international Wettbewerbsvorteile zu sichern, ist es insbesondere für technologieintensive Unternehmen wichtig, frühzeitig über neue technologische Entwicklungen aufgeklärt zu sein bzw. diese einordnen zu können. Da wichtige Informationen über beispielsweise Markentwicklungen oder Technologietrends in einer Vielzahl unterschiedlicher und inhomogener Datenquellen versteckt liegen, ist eine Integration dieses Wissens in den Wertschöpfungsprozess innovativer Entwicklungsprojekte oftmals zeit- und kostenaufwendig. Gleichzeitig werden Technologien komplexer, vernetzter und konvergenter, insbesondere in interdisziplinären Anwendungsfeldern wie z.B. der „Informatisierung“ der Produktionstechnik (Industrie 4.0).

Zur Beantwortung spezifischer Fragestellungen bedarf es immer häufiger eine tiefgehende Analyse weltweiter Technologiedaten wie Patente, Forschungsartikel, Technologiestandards oder auch Informationen zu Unternehmen und Startups. Das IPlytics Tool misst monatlich weltweit über 500.000 neue Patentanmeldungen, 400.000 neue Forschungsartikel und 10.000 neue Standard Spezifikationen. Diese Vielzahl an Informationen zu filtern, zu lesen, zu verstehen und schlussendlich auswerten zu können ist händisch nicht mehr möglich. Die meisten Unternehmen sind nicht in der Lage, die Vielzahl an technologierelevanten Informationen zu filtern und intelligent auszuwerten, um damit bei komplexen Technologieentscheidungen Chancen abwägen und Risiken minimieren zu können.

Im Zuge des geplanten ProFIT Projekts soll ein intelligenter Algorithmus Zusammenhänge von beispielsweise Patenttexten inhaltlich zusammenfassen, sodass Patente mit bis zu über einhundert Seiten schneller gelesen und verstanden werden können. Zum anderen sollen im Zuge einer Weiterentwicklung im Rahmen eines neuen ProFIT Projekts IPlytics Nutzer in der Lage sein Patente als rechtliches Risiko automatisiert eingestuften zu können. Ein neu erforschter Algorithmus soll die Wahrscheinlichkeit berechnen, ob Patente ein rechtliches Risiko darstellen oder ob eine Patentlizenz beispielsweise über Technologiestandards wie 5G oder WiFi wichtig wird.

Ziel ist es, im IPL-2 ProFIT Forschungs- und Entwicklungsprojekt eine neue Version der IPlytics Platform zu entwickeln, die intelligente Features wie z.B. „Patent Summaries“, die Vorhersage von Patentverletzungen, die Vorhersage von Patente – Standards Beziehungen anbieten kann. In diesem Rahmen sollen gezielte Forschungsaktivitäten zu den Themen Erforschung hybrider Textzusammenfassungsalgorithmen, Natural Language Processing sowie erweiterten Machine Learning Technologien und Prediction Modellen, durchgeführt werden.

Das Projekt wird durch die Europäische Kommission sowie den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung unterstützt.

Introducing the all-new Semantic Essentiality Score (SES)

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